Berlin, 21.-23. April 2026. Vom 21. bis 23. April 2026 war eine Delegation vom Health.AI-Netzwerkmanagement auf der DMEA in Berlin – der zentralen Konferenz und Messe für digitale Gesundheitsversorgung in...
mehr lesenHealth.AI auf der DMEA 2026 – Impulse für den Datenraum der Zukunft
Berlin, 21.-23. April 2026.
Vom 21. bis 23. April 2026 war eine Delegation vom Health.AI-Netzwerkmanagement auf der DMEA in Berlin – der zentralen Konferenz und Messe für digitale Gesundheitsversorgung in Europa. Die rund 900 Aussteller reisten aus 30 Ländern an, um mit 22.000 Teilnehmenden die digitale Gesundheit von Morgen zu diskutieren. Drei intensive Tage mit einem dichten Programm zu Datenräumen, Interoperabilität, KI-Regulierung und der Frage, wie Gesundheitsdaten endlich dorthin kommen, wo sie gebraucht werden. Es ist zu beobachten, dass viele Organisationen und Firmen den Wert von vernetzten Gesundheitsdaten im Blick haben – ob aus Patient:innensicht, um Effizienz und Schnelligkeit in Diagnose und Therapie zu steigern – oder aus der Perspektive von Forschungseinrichtungen, die ihre KI-Modelle mit großflächig erhobenen Daten trainieren wollen. Dass Regulatorik und auch technische Aspekte wie Datenschutz und Datensicherheit dabei die Leitplanken sind, ist unverkennbar; auch ethische Perspektiven auf die eigene Datensouveränität und potenzielle Schwachstellen in einem System, das regelmäßig mit sensiblen Gesundheitsdaten umgeht, werden behandelt. Wir berichten, was uns bewegt hat und was wir direkt in unsere Arbeit mitnehmen.
Der europäische Gesundheitsdatenraum wird real
Der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) war das beherrschende Thema der DMEA 2026. Was lange nach europäischer Regulierungsabsicht klang, ist inzwischen ein laufendes Bauprojekt mit konkreten Zeitplänen. Ab 2029 sollen Forschende über einen europäischen Datenkatalog auf standardisiert beschriebene Gesundheitsdaten zugreifen können.
Für die Sekundärnutzung – also die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung, Innovation und Versorgungsverbesserung jenseits des direkten Behandlungskontexts – schafft der EHDS einen rechtlich definierten Rahmen. Datenhaltende müssen ihre Datenbestände über sogenannte Dataset Descriptions beschreiben und meldepflichtig registrieren. Zur Freigabe sind sie nicht verpflichtet, aber die Sichtbarkeit der Daten ist Voraussetzung für jeden Zugangsprozess. Die Europäische Kommission hat dazu aktuell eine öffentliche Konsultation geöffnet, an der sich Akteure aus Forschung, Versorgung und Zivilgesellschaft beteiligen können. (https://tehdas.eu/)
Eine neue zentrale Institution im EHDS-Gefüge ist der Health Data Access Body (HDAB) eine national anerkannte Zugangsstelle, die Anträge auf Sekundärnutzung prüft, genehmigt und den Datenzugang koordiniert. HDABs entscheiden auf Basis klarer Kriterien: Ist das Forschungsvorhaben gemeinwohlorientiert? Ist die Datennutzung verhältnismäßig? Sind die technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen ausreichend? Parallel dazu entsteht mit der DACO (Data Access Coordination Organisation) eine europäische Dachinstanz, die die nationalen HDABs koordiniert und länderübergreifende Datenzugangsanfragen ermöglicht. Die DACO befindet sich aktuell noch im Aufbau – wer an diesem Prozess mitgestalten möchte, hat über die laufenden Konsultationsverfahren die Möglichkeit dazu.
Interoperabilität: Die technische Realität
Auf der fachlichen Ebene hat die DMEA noch einmal sehr klar gemacht, wo die technische Herausforderung liegt: Gesundheitsdaten entstehen in extrem heterogenen Systemen. Jede Klinik, jede Praxis, jedes Gerät erzeugt Daten in eigenen Formaten. Die Übersetzung in interoperable Standards wie HL7 FHIR ist deshalb keine einmalige Aufgabe, sondern ein fortlaufender Prozess – für jedes Quellsystem, für jede neue Datenquelle.
Die Medizininformatikinitiative (MII) hat mit ihren Datenintegrationszentren (DIZ) an deutschen Universitätskliniken gezeigt, wie das skalierbar gelingen kann: standardisierte Kerndatensätze, offene ETL-Prozesse, gemeinsame Metadatenmodelle. Diese Infrastruktur ist heute anschlussfähig – und die Initiator:innen natürlich Gesprächspersonen für regionale Netzwerke wie das Unsrige, die ihre eigenen Datenprojekte in diesem Ökosystem verankern wollen.
Die Idee geht hin zu einem gemeinsamen Datenkatalog, der sichtbar macht,
- was im Netzwerk an Daten existiert
- in welchem Format und in welcher Qualität die Daten vorliegen
- welche Rechtsgrundlage hier zugrunde liegt
- in wie, für wen, welche Daten zugänglich sind
Diese Eigenschaften im Aufbau eines Datenökosystems sind Grundvoraussetzung für jeden weiteren Schritt.
Digitalisierung als Sparinstrument – und als Versorgungsversprechen
Ein weiterer roter Faden der DMEA 2026 war die politische Einbettung der Gesundheitsdigitalisierung in “einen Moment des Systemdrucks”. Das deutsche Gesundheitswesen steht vor erheblichen Finanzierungsherausforderungen. Gleichzeitig wächst der Druck, durch digitale Prozesse Verbesserungen zu erzielen – nicht trotz Sparzwang, sondern durch smarte Digitalisierung.
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist dabei ein zentraler Hebel: Sie vernetzt Befunde, Berichte und Medikationsdaten – aber nur dann, wenn die Barrieren für Bürger:innen möglichst niedrig sind und die Anwendungen entlang realer Versorgungsprozesse entwickelt werden. Die Transformation der Telematikinfrastruktur von einem hardwarebasierten System hin zu einer softwareorientierten Plattform ist der technologische Rahmen dafür. Der richtige Zeitpunkt für diesen Wandel, das war auf der DMEA Konsens, ist jetzt.
Was wir mitnehmen
Die DMEA 2026 hat für Health.AI keine neuen Fragen aufgeworfen – aber viele unserer Antworten geschärft. Was wir direkt in unsere laufende Arbeit einfließen lassen:
Dataset Descriptions und EHDS-Kompatibilität von Anfang an. Unser Datenkatalog orientiert sich an den EHDS-Metadatenstandards. So wird ein späterer Anschluss an die europäische Infrastruktur keine Bruchstelle, sondern eine natürliche Erweiterung.
DACO und HDAB als strategische Orientierungspunkte. Health.AI verfolgt den Weg, die Voraussetzungen für eine HDAB-Rolle mittelfristig zu erfüllen – mit der nötigen technischen Infrastruktur, dem Governance-Rahmen und der Betriebserfahrung aus realen Datenzugangsanfragen.
Prozesse sind genauso wichtig wie Technologien. Digitale Gesundheitsinfrastruktur funktioniert nur, wenn sie die realen Abläufe aller Beteiligten – von der Forschungseinrichtung bis zur Versorgungspraxis – widerspiegelt. Das gilt für den Datenkatalog genauso wie für jeden Access-Workflow im Berufsalltag der Beteiligten.
Wir freuen uns darauf, die Impulse der DMEA 2026 gemeinsam mit unserem Netzwerk in konkrete nächste Schritte zu übersetzen.
Wir werden die Entwicklungen rund um EHDS und DACO weiterverfolgen und unser Netzwerk regelmäßig über relevante Änderungen und Beteiligungsmöglichkeiten informieren. Für alle, die selbst einen Einblick in die europäische Konsultationsarbeit gewinnen möchten: Die öffentlichen Konsultationen der Europäischen Kommission zur EHDS-Umsetzung sind offen für Stellungnahmen aus der Praxis – genau die Perspektive, die in der Gestaltung dieser Infrastruktur noch zu wenig vertreten ist [https://tehdas.eu/public-consultations/#public-consultation).